Marteria & Casper

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© Christian Hedel
Marteria & Casper
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  • Samstag, 3. August 2019
  • Waldbühne
  • 17:30
  • 19:30

Veranstalter: Trinity Music

Man hat ja schon fast nicht mehr daran geglaubt. Zugegeben: die Idee für ein gemeinsames Album... mehr

CHAMPION SOUND OPEN AIR 2019

Man hat ja schon fast nicht mehr daran geglaubt. Zugegeben: die Idee für ein gemeinsames Album von Marteria & Casper stand schon etwas länger im Raum. Nach gemeinsamen Songs auf Samplern und Soloalben wurde daraus erst ein Aprilscherz der Rap-Journaille, dann eine Art Treppenwitz innerhalb der Szene und schließlich gar nichts mehr – bis jetzt. Denn neun Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Song »Rock’n’Roll« veröffentlichen Marteria & Casper am 31. August 2018 endlich das langerwartete Collabo-Album »1982«.

Aber der Reihe nach: Mit seinem zweiten Album »Zum Glück in die Zukunft« zeigte Marteria 2010, das Rap mehr als nur Räuberpistole und Betonromantik sein kann und darf. Das Album war nach endlos langer Straßenrap-Eintönigkeit ein musikalischer und textlicher Befreiungsschlag, der Deutschrap zu neuer Größe und Pop-Appeal verhalf. Ein gutes Jahr später legte auch Casper sein zweites Album »XOXO« nach, auf dem er Rap mit Indie, Post-Rock und Hardcore kreuzte – ein Genregrenzen sprengender Gamechanger, der Fachpresse und Feuilleton gleichermaßen begeisterte.

Spätestens mit ihren beiden letzten Soloalben »Lang lebe der Tod« und »Roswell« haben sich Marteria & Casper im letzten Jahr endgültig einen unantastbaren Status als zwei der größten und erfolgreichsten Rapper dieses Landes erkämpft und sind gleichzeitig doch so frisch im Geschäft, dass »1982« nicht wie eine als nostalgisches Noch-mal-wissen-wollen getarnte Verzweiflungstat daherkommt. Ganz im Gegenteil: Es ist die logische Konsequenz zwei der ruhmreichsten Rap-Karrieren dieses Landes.

Entstanden ist »1982« in wenigen Sessions im Berliner Umland, an der Ostseeküste und in Osnabrück. Aber anstatt direkt loszulegen, führten die beiden erstmal lange Gespräche und stellen dabei fest, dass sie noch viel mehr als nur ihr zeitgleiches Durch-die-Decke-gehen eint und sie viel gemeinsam, aber getrennt voneinander erlebt haben. »Wir sind im gleichen Jahr geboren, wir sind ungefähr zeitgleich durch die Decke gegangen und auch sonst geographisch sehr ähnliche Werdegänge gehabt. Obwohl wir diese Ost-West-Trennung und dadurch unterschiedliche Sozialisationen hatten, haben wir vieles gleich erlebt. Wir haben eine sehr ähnlich starke Verbindung zu unseren kleinen Städten Bielefeld und Rostock und zu unseren Fußballvereinen und kamen aus absoluten Underdog-Situationen nach oben«, sagt Casper.

»Und wir sind Fans voneinander«, ergänzt Marteria. »Fans der gegenseitigen Arbeit, der Detailverliebtheit und den Texten des anderen.« Es sind genau diese Gemeinsamkeiten und auch Gegensätze, von denen »1982« lebt. Hier Casper, der konzeptuelle Denker, dort Marteria, der kreative Macher. Motor und Katalysator, wenn man so will. »Ich glaub das letzte Mal, dass ich so befreit und entspannt Musik gemacht habe, war zu meiner Studienzeit«, sagt Casper – und Marteria ergänzt: »Wir wollten einfach machen, worauf wir Bock haben: Ein Blockbuster-Album mit der Herangehensweise eines Mixtapes.«

Besser könnte man den Spirit der Songs kaum beschreiben: Schon die erste Single »Champion Sound« ist Einlaufmusik par excellence: Ein Big-Band-Bläsersound mit lockerem Basslauf, der auch von Just Blaze stammen könnte und einem Jay Z gut gestanden hätte und den beiden die perfekte Grundlage liefert, um nach allen Regeln der Kunst zu Braggen und zu Boasten. Nicht durch uninspiriertes Aufzählen von Designern und Automarken, sondern mit sympathischen Querverweisen auf geschichtsträchtigen Sportgrößen von Wayne Gretzky bis Walter Frosch. So geht Superbowl-Halbzeit-Show bei den Herren Laciny und Griffey.

Mit warmen Synthieflächen, tiefen Subbässen, schleppenden Drums und gniedelnden Gitarren ist »Supernova« die perfekte Symbiose aus den Soundwelten von Marteria & Casper. Locker und entspannt, aber auch ehrlich und geradeaus – und eine gottverdammte Hymne obendrein. »Dieser Song soll den Abend beschreiben, an dem sich alle wiedertreffen«, erklärt Casper. »So wie es bei vielen ja auch Heiligabend ist, Hochzeiten oder besondere Geburtstage, egal was – eben dieser magische eine Abend, an dem wirklich alle von damals zusammenkommen und einfach alles stimmt und zusammen durchdrehen, lachen und tanzen.«

»Denk an dich« ist ein rührendes Lied über das unterwegs sein, aber vor allem auch das aufrichtige Vermissen der beiden Frauen in den Leben von Marteria & Casper, die den ganzen Wahnsinn so gefasst mitspielen – und wenn Kat Frankie im Refrain »Bin auf dem Weg, auf dem Weg / hellwach, weil die Stadt nie schläft / um mich rum alles laut, alle reden – doch ich denk an dich, denk an dich« singt, wird aus einem einfachen Song eine rührende Verbeugung vor der besseren Hälfte, die liebevoller nicht anmuten könnte.

»1982« kommt mit einem Endlos-Loop zwischen Soul und Stoner Rock, auf den Marteria & Casper in jeweils drei Stophen ohne Hook back and forth Revue passieren lassen – vom Damals ins Heute. Einfach nur Marteria & Casper. Marten Laciny und Benjamin Griffey. Hansa und DSC. Ost und West.

»Omega« macht aus den ostwestfälischen und ostdeutschen Landstraßen im Halftime-Modus die Route 66, während »Adrenalin« zwischen Drum’n’Bass und Dirty-South changierend die Neurotransmitterproduktion ankurbelt und »Chardonnay & Purple Haze« einen mit beschwipsten Klavierchords und 808s wieder runterholt – und mit dem eindrucksvollen »Absturz« sehnen die beiden sich an der Seite von Feine-Sahne-Fischfilet-Frontmann Monchi zu sphärischen Gitarren und spärlichem Drumset in einem Anflug bittersüßer Melancholie zurück ins Damals.

»In allen Songs stecken unsere Freunde, unsere Lieben, unsere Leben, unsere Karrieren, unsere Triumphe und Verluste drin«, sagt Casper. »Deswegen ist das bei uns in jedem Song irgendwie sehr, sehr nah dran.« Und Marteria ergänzt: »Die beiden unterschiedlichen Seiten der Betrachtungsweise macht die Songs unfassbar emotional. Ich habe während den Arbeiten an dem Album viel über Cas, seine Vergangenheit und seinen Werdegang gelernt. Ich finde es immer schön, wenn Dinge gesagt werden die man noch nicht gehört hat.«

Musikalisch ist »1982« weder überambitionierte Zeitgeist-Musik, noch hängengeliebenes HipHop-Gehabe. »Weder das eine noch das andere hätte zu uns gepasst«, findet Casper. »Stattdessen wollten wir verschiedene Epochen einfließen lassen.« Jede der 10 Produktionen an denen mit den Krauts und Markus Ganter die jeweiligen Haus- und Hofproduzenten der beiden, aber auch BLVTH und Lil Späty mitgewirkt haben, arbeitet mit liebevollen Querverweisen auf die musikalische Sozialisation der beiden – vom frühen Kanye und Jay Z in his prime und dem Südstaaten-Sound in der Tradition von Waka Flocka Flame und Lex Luger bis hin zu Drum’n’Bass-Anleihen und UK-Einflüssen.

Man hört diesem Album an, das mehr dahintersteckt, als nur das Erfüllen der langgehegten Erwartung der Fans und der Szene. »Ich glaube, dass viel auf der Platte ein kurzes Stehenbleiben und Spaßhaben ist. Die letzten Jahre waren für uns beide immer nur rennen, ackern und machen. Fast manisch. Jetzt spielt Marten solo im Stadion und ich Headliner auf riesigen Festivals. Das ist schon ein Wahnsinn und ein Achievement dass man kurz mal lockern abfeiern darf«, findet Casper. »Es ist die Mucke, auf die wir gerade Bock haben, die wir gerade fühlen und die sich durch unser Leben zieht, seitdem wir die Faszination teilen und lieben«, sagt Marteria. »Das Arbeite an dem Album hat sich wie eine erste Platte angefühlt, die man zusammen mit einem Freund schreibt.« — Jan Wehn

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