Leslie Clio

+ Lee Mac Dougall

© Gerhard Kuehne
Leslie Clio
22,55 € *

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  • Montag, 9. Oktober 2017
  • Bi Nuu
  • 19:30
  • 20:30

Veranstalter: Trinity Music

Sie ist wieder da und sie ist besser denn je: Leslie Clio. Es gibt ja die alte... mehr

Purple Tour 2017

Sie ist wieder da und sie ist besser denn je: Leslie Clio.
Es gibt ja die alte Branchenweisheit, nach der das dritte Album immer dasjenige ist, welches den Kurs für die weitere künstlerische Karriere definiert. Es ist insofern alles andere als ein Zufall, dass PURPLE, das dritte Album der Pop-­‐Sängerin Leslie Clio, nun eben genau so heißt: Purple, also Lila, ist ja eine Farbe von einiger Kraft und mit vielen Deutungsebenen, die in der Vergangenheit nicht zuletzt Prince zur symbolischen Ausgestaltung seines künstlerischen Zeichensystems verhalf. Und zu Leslie Clio passt die Farbe beinahe noch besser. Aber der Reihe nach. Bereits mit dem Debüt GLADYS gelang der gebürtigen Hamburgerin Leslie Clio der große Durchbruch. Ein Erfolg, den sie sie mit EUREKA konsolidieren konnte.

Nachdem sie sich zunächst vor allem ihren Soul-­‐Wurzeln gewidmet hatte, umarmte Clio im Anschluss den großen Pop – und führt nun auf PURPLE ihre mannigfaltigen Einflüsse erstmals mit einer traumwandlerischen Souveränität zusammen, wie sie nur aus gewachsener Erfahrung entstehen kann. Für die Summe aus all diesen Dingen steht PURPLE symbolisch: Während die Farbe Lila, deren einzelne Komponenten für Energie und Stabilität stehen, in unterschiedlichen Kulturen als Zeichen von spirituellem Bewusstsein, Ambition oder Mut gilt, ist sie ebenfalls: ein Symbol für die Zukunft und für Unabhängigkeit. Und ja, auch darauf deutet PURPLE hin: Die Zukunft gehört der unabhängigen, souveränen Sängerin Leslie Clio. Beispiele für diese These gibt es viele. Überbordend vor großen Melodien, geistreicher Instrumentierung und lyrischem Scharfsinn, entführt Leslie Clio den Hörer auf PURPLE mit stimmlicher Virtuosität auf eine musikalische Reise, die in der berauschenden Opulenz von Songs wie „Lies Are Gold“, dem Vorabtrack zum ersten Video, „Darkness Is A Filler“, oder „Sad Games“ mündet.
Clio vermittelt düstere Spannung mit „Game Changer“, besinnt sich in „Walls Down“ auf ihre Soul-­‐Wurzeln und derart facettenreiche Widescreen-­‐Dramen wie „Lies Are Gold“ oder „Darkness Is A Filler“ sind ihr bislang auch noch nicht gelungen. So wird das Album zum konzisen Dokument einer künstlerischen Entwicklung, wie sie in diesem Land nur wenigen gelingt. Das alles kommt wie gesagt keineswegs aus dem Nichts. GLADYS war ein Riesenerfolg, das Album erreichte Platz 11 der deutschen Charts, Clio wurde als beste nationale Künstlerin für den ECHO nominiert und ihre Musik war im Fernsehen und in Filmen wie dem Kinohit „Der Schlussmacher“ zu hören. Mit ihrem zweiten Album EUREKA (2015) wiederum hadert die Künstlerin inzwischen ein wenig. „Ich hatte so viel Arbeit in das Album gesteckt und mir einen wahnsinnigen Druck gemacht, aber irgendwie stimmte die Motivation nicht zu hundert Prozent“, sagt sie heute.

„Es hat großen Spaß gemacht, mit GLADYS auf Tour zu gehen und all die anderen tollen Erfahrungen nach der Veröffentlichung zu machen. Aber insgesamt habe ich in dieser Phase nicht genug erlebt, worüber es sich wirklich zu schreiben gelohnt hätte. Ich habe mir danach vielleicht nicht genug Zeit gelassen, auf den richtigen Moment zu warten.“ Man kennt das von Künstlern nach dem Durchbruch: Man hat die Zeit seines Lebens, aber große Kunst braucht Ruhe und Abgeschiedenheit – und genau das fehlt in solchen Situationen häufig. Dennoch war EUREKA für den weiteren Weg der Künstlerin Leslie Clio eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte – ebneten die damaligen Erfahrungen doch letztlich den Weg für PURPLE. Ende 2015 nimmt sich Leslie Clio endlich die nötige Zeit, um ein bisschen Abstand vom Rummel des großen Pop-­‐Geschäfts zu bekommen. Und es ist durchaus typisch für diese mutige Frau, dass sie auch in dieser Frage keine Kompromisse eingeht. So kehrt Leslie Clio ihrer Wahlheimat Berlin für eine Weile den Rücken und begibt sich nach Hawaii. „Ich habe mich von vielen Menschen verabschiedet“, sagt Clio, „und habe einfach alles verkauft: jeden Teller, jede Gabel, jeden Löffel, der eine Bedeutung in meinem Leben hatte.

Es war ein radikaler Neuanfang. Auf Hawaii habe ich in einem Haus mit fünf anderen Leuten gewohnt, die ihr Gemüse selbst angebaut haben und denen ich bei der Ernte helfen konnte. Aber vor allem habe ich dort in einem längeren Prozess wieder herausgefunden, wer ich bin und was ich will.“ „I’m tired of speaking sweetly / My thoughts ain’t sweet no more / I’ll set out for a new life / Cause he’s over me for sure“, singt sie nun in „And I’m Leaving“, der ersten Single aus PURPLE. Nicht nur dieser Song bringt die vergangenen zwei Jahre im Leben der Leslie Clio auf bestechende Weise auf den Punkt. Die Auszeit hat sich jedenfalls voll und ganz gelohnt. Denn als Leslie Clio fünf Monate später nach Berlin zurückkehrt, ist ihr Kopf voller neuer Melodien und Ideen, von denen sie einige bereits aufgezeichnet hat. Clio begibt sich unverzüglich ins Studio und lässt den Dingen ihren Lauf. „Ich bin nach so langer Zeit praktisch geplatzt vor Kreativität und neuen Ideen“, sagt sie lachend. „In den letzten Jahren war ich eigentlich immer nur im Tunnel, ich musste mich regelrecht zwingen, für einen Moment die Bremse zu ziehen.“ Dass sie es doch getan hat, hat ihr für viele Dinge die Augen geöffnet. „Ich weiß jetzt einfach wieder, wer ich bin, was ich kann und vor allem, was ich will“, sagt sie.

„Ich habe soviel erlebt und mich verändert, bin mittlerweile 30 Jahre alt und Frau geworden. Der Moment, eine neue Platte zu machen, war einfach goldrichtig.“ Diese entspannte Klarheit dringt nun aus jeder Note von PURPLE. Nach einem weiteren halben Jahr in Stockholm und ihrem eigenen Studio in Berlin, wo sie die Ideen und Fragmente von Hawaii auskleidete und zu Songs verdichtete, begab sie sich mit den Produzenten Olaf Opal und Willy Löster in die Candid Studios in München. Dort entstand ein Werk, auf dem der Charakter und die vielen musikalischen Farben, die diese Frau ausmachen, erstmals zur vollen Blüte gelangen. „Es war bei Weitem die reibungsloseste Produktion meiner bisherigen Karriere“, sagt sie.
„Weil ich diese Platte komplett für mich selbst gemacht habe, aus einer absoluten inneren Notwendigkeit heraus und frei von irgendwelchen Erwartungen.“
Und das hört man eben. Die von Clio während der Aufnahmen empfundene Leichtigkeit verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass sie noch nie zuvor mit einem derart klar definierten Konzept an eine Produktion gegangen ist wie jetzt. „Es war von Anfang an vollkommen klar, was für eine Art von Album wir machen wollten“, sagt sie. „Nämlich ein handgemachtes, collagiertes mit vielen analogen Boutique-­‐Instrumenten und so wenig Computerelementen wie möglich.“

Mit ihrer Experimentierlust hat Clio ihre Mitstreiter vom ersten Moment an angesteckt: „Ich wollte ein breiteres Feld an Soundmöglichkeiten erkunden als bisher, aber diesen Sound nicht nur andeuten, sondern wirklich erkunden und ausformulieren, um so die verschiedensten Klangelemente ganz neu zusammensetzen zu können. Wir hatten große Lust, jeden Song zu einem Spielplatz zu machen, mit ungewöhnlichen Strukturen, langen In-­‐ und Outros und vielen verspielten Zusatzelementen.“
Doch auch wenn der Künstlerin also ein gewaltiger musikalischer Schritt gelungen ist, handelt es sich hier doch immer noch ganz klar um ein Leslie-­‐Clio-­‐Album. Thematisch knüpft PURPLE mit Leichtigkeit an ihre vorherigen Werke an: „Es geht immer noch um Liebe, Herzschmerz und Idioten“, sagt sie lachend. „Aber auch um Einsamkeit und Isolation, und was es bedeutet, eine Frau zu sein. Ich bin erwachsen geworden und ich denke, das spiegelt sich in PURPLE wieder. Schreiben und Musik machen sind mein sicherer Hafen, ohne den ich verrückt werden würde.“ Die Musik hat sie nicht im Stich gelassen – und der Prozess, dem die große deutsche Popsängerin Leslie Clio diese Erkenntnis verdankt, führt nun weiter zum bislang besten Album ihrer Karriere: PURPLE. Souverän und unabhängig eben.

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